Texte
An dieser Stelle präsentieren wir auserwählte / aktuelle kurze Texte unserer Autor*innen:
24 Zündholz-Schachterln
24 Zündholz-Schachterln auf ana Plottn Holz
Des woar unser Adventkalender, und auf den woar ma stolz
Jeden Tag a Milka Napserl, Fizzers oder Tutti Frutti
Eineglegt hams uns die Engerl (oder vielleicht doch die Mutti)
Da Adventkranz war net ´kauft, der woar söba gmocht, immer
Und da Christbam ist gstonden bei de Eltern im Zimmer
Am 24. hamsas zuagsperrt – schon zeitlich in da Fruah
„De Engerl“ putzn den Bam jetzt auf, „de Engerln“ wolln a Ruah
Okay, wir woarn nau jung, und sehr kla vielleicht
Oba bis zum Schlüsselloch hom de Augn scho greicht
Und do woar i dann scho… verwundert a wengerl
Weil mei Papa woar vüles – oba eher ka Engerl
Doch plötzlich hots gleit – ist des Christkind jetzt kumma?
Schnö vire zur Tür – na, es woar nur de Oma
Griaß eich, au weh, ans sog i eich gwiss,
dass des – seit 20 Joahr – mei letzts Weihnochten is
Nau guat, setz de nieder, wir werdens nau dawoartn
Da Papa steht auf… und holt de Schnopskortn
A Kind des plärrt, a Kind des spinnt
Die Mutti die gibt – und die Oma ruaft blind
Und draußen wird’s finster, und draußen do schneits
Und de Oma spüt Karo, obwoi i klopft hob de Kreiz
Oba jetzt leitets nomoi – und wieder schnö vire
Und desmoi steht wirklich – das Christkind vor der Türe
Es führt uns zum Christbaum und es leuchten alle Kerzen,
alle Lichter, alle Augen, ganz warm wird’s im Herzen
Der Engel zieht weiter – in die Heilige Nacht hinaus
Und i flüster: „Des Christkind schaut wia de Popp Margit aus“
Jetzt miass man nau beten, olle miteinander
Oba dann endlich Geschenke! Na… Peter Alexander
singt „Stille Nacht“, von mir aus, hoch soll er leben
Wenigstens hats domois de Helene Fischer nau net geben
Die Packerln san jetzt offen, die Stille Nacht nicht mehr still
Masters Of The Universe, Lego, Playmobil
A bissl wos zum Anziagn, a bissl wos zum Lesen
Du fröhliche Weihnachtsnacht, wie schön bist du gewesen
Boid 50 Joahr später – a so um die Zeit
Geh i in a Gschäft, doch i hobs schnö bereut
Ois is aus Plastik, ois scheppert, ois pumpert
Überall des gleiche seelenlose Klumpert
An Adventkalender von Amazon? Na danke, den los i aus
I gib wos onders in mei Sackl – und geh damit zhaus:
24 Zündholz-Schachterln pick i auf a Holz-Plattn donn
Und wenn i damit fertig bin, ruaf i de Popp Margit on
Frohe Weihnachten!
Brief ans Christkind an Ozzy
Lieber John Michael „Ozzy“ Osbourne,
vor wenigen Monaten, am 22. Juli 2025, hast du uns für immer verlassen. Das war, bei allem gebührenden Respekt, nicht sonderlich leiwand von dir. Ich meine, schau dir die ganzen Wahnsinnigen an da draußen… und jetzt auch noch eine Welt ohne Ozzy? Naja.
Obwohl dein Ableben nicht völlig unerwartet kam, war ich doch überrascht. Vor allem darüber, wie sehr mich dein Tod getroffen hat. Als hätte man einen Freund verloren. Einen Freund, der vielleicht nicht immer da war. Aber immer dann, wenn´s darauf an kam.
Dabei, ganz ehrlich, Ozzy: Dein allergrößter Fan war ich eigentlich nie. So manches, was du auf und abseits der Bühne getrieben hast, hättest du wegen mir nicht machen müssen. Aber, hey, Ozzy, du hast Black Sabbath mitgegründet, und allein das ist mehr wert als alles, was 99 Prozent der gesamten Menschheit jemals getan haben.
Da sieht man dann gerne über andere Dinge hinweg. Ob und wie oft du zum Beispiel irgendwelchen Fledermäusen den Kopf abgebissen hast, interessiert mich genauso wenig wie deine Ameisen-Straße, von der im Buch „The Dirt“ erzählt wird. Der berühmt-berüchtigten Biografie von Mötley Crüe. Eine der größten Scheißbands aller Zeiten.
Dass jemand, der uns Göttergaben wie „N.I.B.“, „War Pigs“, oder „Sabbath Bloody Sabbath“ und so viele andere geschenkt hat, dass der sich überhaupt mit diesen tragischen Jahrmarkt-Figuren abgibt, geht bis heute nicht in mein erzkonservatives Heavy Metal Hirn.
Deine Platten mit Black Sabbath liebe ich alle. Uneingeschränkt. Was deine Solo-Werke betrifft, geht die Schere schon etwas auseinander. Mein persönliches Lieblings-Ozzy-Album „No Rest For The Wicked” stammt aus dem Jahr 1988. Da war ich 14, wohnte noch bei meinen Eltern und hörte jeden Abend „Treffpunkt Ö3“. Es gab kein Internet, kein Handy, wir ham ja wirklich gar nix gehabt damals. Aber dass muss ich dir als 1948 in Birmingham Geborenen wohl nicht groß erklären. Du warst das vierte von sechs Kindern, beide Eltern schufteten im Black Country.
Aber immerhin hatten wir ein Festnetz Telefon. Das war auch verdammt gut so, denn im „Treffpunkt Ö3“ wurde an diesem Abend dein neues Album nicht nur vorgestellt, sondern sogar verlost! Man musste nur die angegebene Nummer anrufen, als erster durchkommen und eine fast schon beleidigend lächerliche Gewinnfrage beantworten.
Leider stand das Telefon bei uns daheim nicht bei mir im Zimmer, sondern draußen am Gang. Beim Versuch, unbedingt dieser erste Anrufer zu sein, riss ich also nicht nur die Tür zum Gang auf, sondern auch meine Eltern aus ihrer FS1-Hauptabend-Agonie. Die stürmten geradezu panisch aus dem Wohnzimmer, und während meine Mutter immerhin fürsorglich fragte: „Is wos passiert??“, meinte mein Vater nur „Wos hostn jetzt scho wieder aufgführt?“. Ich winkte die beiden aufgeregt zurück zu Fredi Böhm und Hansi Holt und erklärte ihnen ein paar Minuten später, noch aufgeregter, dass ich bitte soeben die neue Platte von Ozzy Osbourne gewonnen habe. Einem kurzen Moment des andächtigen Schweigens folgte die mütterliche Frage „Der mit der Fledermaus?“ und mein lieber Herr Papa ergänzte: „Na wenigstens müss ma heut net auf de Kieberei“.
Das so gewonnene „No Rest For The Wicked” beinhaltet vielleicht nicht die ganz großen Klassiker, aber jede Menge wunderbare Songs wie „Bloodbath In Paradise“ oder „Fire In The Sky“ die allesamt in Würde gealtert sind. Ja, ich kann das beurteilen, Ozzy, ich höre sie seit dem 22. Juli wieder sehr, sehr oft. Außerdem ist es das erste Album mit Zakk Wylde an der Gitarre. Oh Mann, Ozzy, alleine welche Gitarristen du in deinen Bands hattest. Jake E. Lee, Randy Rhoads! Ganz zu schweigen natürlich von Mr. Tony Iommi.
Drei Jahre später erschien „No More Tears“ und veränderte nochmal vieles. Die Platte wurde megaerfolgreich, es war dir von Herzen gegönnt. Die Songs liefen im Radio und Fernsehen, vor allem das gerade sehr wichtig gewordene MTV schien dich zu mögen - was später noch zu einem ganz speziellen Kapitel in deiner illustren Geschichte führen sollte.
Ich jedoch war mittlerweile, ha, 17, und ständig auf der Suche nach neuen Extremen. Speed Metal, Thrash Metal, Death Metal hatten die von dir geöffneten Türen mit voller Wucht eingetreten, da war kein Platz für, iiiih, Keyboards oder Balladen. Und, sorry Ozzy, aber niemand, wirklich absolut niemand von uns wollte hören, wie der „fucking prince of darkness“ plötzlich „Mama, I´m coming home“ singt.
Da haben sich unsere Wege also etwas getrennt, ich habe deine Laufbahn nicht mehr so verfolgt, deine neuen Platten nicht so mehr so gehört wie deine alten. Mit „Patient Number 9“, deinem – de facto – letztem Studioalbum konnte ich genauso wenig anfangen wie mit seinem Vorgänger „Ordinary Man“. Dessen Titelsong singst du gemeinsam mit Elton John.
Nicht falsch verstehen, Ozzy, der Mann hat jede Menge großartige Songs geschrieben und sein Buch „Ich, Elton John“ ist eine der sympathischten und besten Biografien aller Zeiten. Aber, echt jetzt, wer braucht den Typen auf einer Ozzy Osbourne Platte?
Kurz nach deinem Tod, ach Ozzy, hat ein Bekannter den Videoclip zu eben jenem Song, „Ordinary Man“, auf Facebook gepostet. Mit ein paar persönlichen Worten, die mich, emotional grad ohnedies nicht sehr gefestigt, veranlassten, diesen Song doch nochmal anzuhören, das Video anzuschauen…
Was soll ich sagen? Man sieht dich ganz alleine in einem schönen alten Kinosaal sitzen, und vor dir, auf der großen Leinwand, läuft der Film deines Lebens ab. Und was war das für ein Leben, mein Gott, Ozzy, was war das für ein Leben.
Wir sehen Kinderfotos von dir, unpackbare Bilder aus deiner Jugend, mit deiner Familie, mit deinen Kumpels von Black Sabbath. Blödeleien im Proberaum, Open Airs vor unzähligen Menschen. Exzesse, Triumphe, Tragödien. Wir sehen dich mit vielen Musikerkollegen - und mit vielen Fans. Wir sehen dich als liebevollen Vater deiner schon auch etwas verhaltensoriginellen Kinder, als stolzen Sohn deiner auf dich stolzen Heimatstadt Birmingham.
Und wir sehen den Menschen John Michael „Ozzy“ Osbourne, der allein in diesem Kinosaal sitzt und beim Betrachten all der Bilder mit uns staunt, schmunzelt, manchmal ungläubig den Kopf schüttelt. Wir sehen dich lachen, wir sehen dich weinen.
Am Ende küsst du deine Shaaaaron vorm Kaminfeuer.
Dann ist der Film aus, doch das Licht im Saal bleibt dunkel.
When the lights go down, it's just an empty stage
singst du im Refrain,
don't forget me as the colours fade
Niemals, Ozzy, und danke für alles.
(und natürlich spielt die Band dann „Mama, I´m Coming Home“)