"METAL IN WIEN"  

Stefan Hattinger
Rock The Nation

East 17 und die Ignoranz der Medien

Mit seiner (in Salzburg beheimateten) Firma "Rock The Nation" bringt er so gut wie alle großen Metal-Tourneen nach Österreich (und mittlerweile auch in andere Länder). Er veranstaltet mit seinen Partnern das "Metalcamp"-Festival in Slowenien und agiert als Booking und/oder Management Company für internationale Top-Bands wie Wintersun, Deathstars oder Threshold. Für unsere Story nahm sich Stefan Hattinger am 11. 11. beim Amon Amarth-Konzert im Planet Music Zeit:

Stefan, seit wann bist Du dabei, als Fan, Musiker, Veranstalter?

Musikfan bin ich eigentlich von Geburt an, da wurde ich von meinem Vater reingestoßen. Mit ca. 15 Jahren begann ich dann, Bass zu spielen. Die erste eigene Veranstaltung war im September 1989: Obituary, Morgoth und Demolition Hammer im Schlachthof Wels.

Netter Einstand. Wie kam es dazu?

Wir waren eine aktive Metal-Band, zu der Zeit wahrscheinlich die aktivste in Oberösterreich. Die Leute vom Schlachthof haben das mitbekommen und sind an uns herangetreten, ob wir nicht bei ihnen Metal-Konzerte veranstalten wollen. Das wollten wir gerne. Der Rest hat sich ergeben. Damals gab es ja nicht so viele Bands und vor allem nicht so viele Agenturen, da haben sich einige wenige alle Metal-Acts aufgeteilt. Eine davon war halt die Agentur mit Obituary und Co. und das war's.

Zuvor fanden ja kaum bis gar nicht Metal-Konzerte in Oberösterreich statt, dann habt Ihr regelmäßig welche in Wels gemacht. War das plötzlich eine Konkurrenz für Wien, gab es da Probleme?

Nein, überhaupt nicht. Das Planet Music, vormals Fritz und Rockhaus, war für uns eher ein Vorbild. Kurz vorher gab es ja fast gar keine Heavy-Shows in Österreich, da mussten wir alle immer nach Deutschland fahren. Auf einmal passierte da was in Wien, das war schon großartig für uns. Und man war auch von Beginn weg an Kooperationen interessiert.

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Im Schlachthof ward Ihr "Rocker" ein autonomer Teil innerhalb eines Kulturvereins; Idealisten, die selber Musik machten und aus Spaß an der Sache veranstalteten. Wann und wie wurde es dann größer, professioneller...

Von 1989 bis 1993 haben wir im Rahmen dieses Kulturvereins gearbeitet, dann haben wir unseren eigenen Verein gegründet: "The Ape Limited". Ungefähr zu der Zeit habe ich auch begonnen, mehr oder weniger von der Musik zu leben, zumal ich in Linz ein eigenes Lokal namens "Soundgarden" eröffnete. Die Veranstaltungs-Sache ist halt stetig gewachsen, wir haben dann auch schon mit Festivals begonnen... Beim Underground-Festival '96 hatten wir auf einmal 8.000 Besucher. Wobei man dazu sagen muss, dass es schon zuvor Sachen wie Slayer mit Machine Head gegeben hat, die doch um einiges mehr kosteten als sie einbrachten... glich sich alles irgendwie wieder aus.

Eure Gigs, auch Festivals, waren ja immer in Oberösterreich. Wie kam es dann dazu, dass Ihr auch Konzerte in Wien, Salzburg, usw. zu veranstalten begonnen habt?

Das hat sich durch die Zusammenarbeit mit dem Thomas Zsifkovits (jetzt Nova Music, Anm. d. V., siehe auch Statement auf dieser Page) ergeben. Der hat auch selbst Konzerte veranstaltet, vor allem in Oberwart. Und die Idee war, gemeinsam sozusagen Österreich abzudecken. Er macht - regional bedingt - Oberwart und Graz, ich kümmere mich um Oberösterreich und Salzburg; Wien machen wir gemeinsam. Hat eine Zeitlang geklappt, dann sind wir wieder - aus verschiedenen Gründen - unsere eigenen (Veranstalter-)Wege gegangen.

War diese "Trennung" zeitgleich "Geburtsstunde" von Rock The Nation?

Nein, den Namen hat es eigentlich vorher auch schon gegeben. "The Ape Limited" war mir mit der Zeit zu ... na-ja.

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1989 ist lange her. Wo liegen für Dich die wesentlichen Unterschiede im Veranstalter-Dasein jetzt?

Damals ging man nicht auf Death- , Thrash- oder sonst was-Konzerte, sondern man ging gemeinsam auf Metal-Konzerte. Die einzelnen Gruppierungen kamen erst später. Überhaupt gab es in Österreich nicht wirklich eine "Szene" für Metal. Hat mehr oder weniger mit den ersten Konzerten im Fritz bzw. Rockhaus begonnen. Und wir waren halt das Pendant in der Provinz, wenn man so will. So entstand dann Schritt für Schritt eine "Szene". Plötzlich war irgendwann auch eine "Industrie" dafür da. Mit Plattenfirmen, Magazinen, usw.

Und mit immer mehr Konzerten. Am Anfang waren die Besucher wohl froh über jeden Act, den Du geholt hast. Heute hast Du ungleich mehr Risiko beim Buchen einer Band/Tour, weil in der selben Woche noch 5 andere Konzerte sein könnten...

Dafür habe ich damals auch nicht so viele Besucher gehabt. Natürlich hast du heute ein hohes Risiko, keine Frage. Aber, ganz klassisch, die Nachfrage regelt den Markt. Und es gibt in Wien bzw. Österreich einige neue, kleinere Veranstalter oder Bands, die selbst etwas auf die Beine stellen. Da ist schon sehr okay so. Oder neue Lokale mit Live-Bühne, wie etwa das Escape.

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Nach welchen Kriterien entscheidest Du, welche Bands bzw. Tourneen Du nach Österreich bringst oder eher besser bleiben lässt?

Das ist vor allem eine Gefühlssache. Klar gibt es auch logische Argumente. Wenn ich eine Band vor 2 Jahren veranstaltet habe und das war erfolgreich und die kommen jetzt wieder, mit einem guten neuen Album, na dann wird's wohl wieder erfolgreich werden. Wenn ich vor 2 Jahren schon Geld damit verloren habe und die kommen ohne gutes neues Album wieder, wird's nicht besser gehen diesmal.

"Leichte" Beispiele. Aber wenn eine Band noch nie da war, wenn es um ein "neues Thema" geht?

Neue Bands schickt heutzutage keiner mehr auf Headliner-Tour. Zurecht, die sollen wo als Support mitspielen und dann sieht man eh die Reaktionen. Ein schönes aktuelles Beispiel sind Wintersun, die noch zu klein für eine eigene Tour sind. Jetzt fahren sie mit Amon Amarth durch die Lande, spielen jeden Tag vor vollen Häusern und kommen dabei irrsinnig gut an. Da kann man sich auf die Zukunft freuen, das wird weiter wachsen.

Das würden gerne auch viele heimische Bands. Sind die für Rock The Nation - außerhalb des "Metalchamp"-Contests, auf den wir noch zu sprechen kommen - ein Thema? Beobachtest Du aktiv junge Gruppen, siehst Du Deine Company da auch ein wenig in der Verantwortung? Oder bist Du eher der Meinung, dass eine professionelle und wirtschaftlich orientierte Firma mit irgendwelchen Underground-Spinnereien nichts am Hut haben sollte?

An erster Stelle muss schon die Wirtschaftlichkeit stehen. Ich trage die Verantwortung für die ganze Firma, meine Angestellten, Kapital-Geber, habe eine kaufmännische Pflicht zu erfüllen.

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RTN bringt aber nicht nur Tourneen nach Österreich (und andere Länder), sondern macht auch aktiv Management und Booking für Bands. Gibt es da keine heimische Band, die man...

Ich kenne eigentlich keine österreichische Band, die mich wirklich umhaut. Es gibt viele gute Bands, aber gut alleine wird nicht reichen, um sich dauerhaft international zu etablieren, und darum geht es ja. Um wieder konkrete Beispiele zu nennen, wir machen Management etwa für Deathstars oder eben Wintersun; Acts mit einem solchen Potential sehe ich in Österreich nicht. Aber, um auf die andere Frage auch noch zurückzukommen, es gibt Gott sei dank einige Kultur- und sonstige Initiativen, Förderer, die sich junger Gruppen annehmen und versuchen, denen ein wenig zu helfen. Uns fehlen dafür schlicht auch die Zeit und die Mittel.

Von den Bands zu den Fans. Ortest Du regionale Unterschiede?

Ja. Wir veranstalten viel in Slowenien, Kroatien,... du musst dir echt mal ein Konzert in Zagreb anschauen und dann bei uns. Ganz andere Mentalität auch. Unglaublich, wie es dort abgeht immer.

Mit ein Grund, warum Du mit dem Metalcamp in Slowenien stationiert bist, nachdem es ja schon mehrere Festival-Versuche Deinerseits in Österreich gegeben hat?

Ab einer gewissen Größe ist ein Festival in Österreich ein enormes Risiko. Haben wir beim Metalfest Vienna oder schon beim Mind Over Matter, welches Thomas und ich ja mal gemeinsam gemacht haben, gesehen. Dass ein kleines, feines Nischen-Festival funktioniert, zeigt Kaltenbach vor, im Death-Black-Bereich. Und die ganz großen "Mainstream"-Metal-Themen sind eh bei Nova Rock und Co. Aber alles dazwischen ist sehr schwierig hier, da fehlt das entsprechend große Publikum. Traditioneller Metal zb ist ja schon fast tot in Österreich. Da gibt es in Deutschland jede Menge einschlägige Festivals, da hast du ein "Gods Of Metal" in Italien oder ein "Master Of Rock" in Tschechien. Und in vielen anderen Ländern gibt es einen guten Markt dafür, bei uns leider nicht.

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Scheitern heimische (Rock-/Metal-)Festivals aber nicht auch an einer gewissen "Bequemheit" der Leute? Gerade im traditionellen Bereich? Schauen sich zweimal im Jahr ein Konzert in Wien an, bewegen ihre Hintern aber keine 100 Kilometer zu einem Super Festival?

Da ist durchaus was dran. Man ist halt gerade als Wiener Fan auch schnell verwöhnt. Da passiert soviel quasi vor der Haustüre, warum soll ich mich jetzt dort und dort hin bewegen? Vor allem ist das auch wieder ein Aufwand, planen, einpacken, ...

Mords-Aufwand aber auch. Hast Du eigentlich jemals Veranstaltungen in (ganz) anderen Richtungen organisiert und wie war das? Auch vom Publikum her?

In einer Art von jugendlichem Leichtsinn hab ich schon einiges veranstaltet, wo ich dann gemerkt habe, dass das jetzt nicht so zielführend war. Ein Höhepunkt war East 17, die habe 1993 gemacht. Das hat keiner der Veranstalter machen wollen, die so was normal durchführen, also hab ich's mir geschnappt. Danach hab ich gewusst, warum die anderen nicht wollten... Um die Frage mit dem Publikum zu beantworten: Die friedlichsten, harmlosesten, nettesten Besucher sind die Metal-Fans. Tatsache. Seit 16 Jahren dabei, viele Konzerte gemacht, nie nennenswerte Wickel gegeben.

Nicht immer ganz "harmlos" oder "nett": Die Eintrittspreise heutzutage.

Grundsätzlich muss ich einfach sagen, dass wir teurer sind als Konzerte in Deutschland. Ist so, weil wir die Masse an Leuten nicht haben. Zumeist - Ausnahmen bestätigen die Regel - haben wir sicher ein Drittel weniger Besucher als die deutschen Veranstalter; die steuerliche Situation ist in Österreich auch keine leichte. Und wenn ein Künstler - in den Größen, die wir meist veranstalten, also auf Club-Ebene - auf Europatour geht, dann geht es für ihn nicht darum, superfett abzusahnen. Sondern darum, seine Kosten abzudecken und halbwegs bei Null aussteigen. Das heißt, die Gagen, die wir Veranstalter zahlen, sind oft gar keine solchen, sondern lediglich Kostenabdeckungen. Und da muss ich in Österreich die selben Summen zahlen wie der Kollege in Deutschland. Der aber wie gesagt mehr zahlende Besucher hat, also kann der auch die Tickets günstiger verkaufen. Das ist auch so eine Sache im Osten wieder. Helloween in der Slowakei, 2.500 Leute. Und bei uns... Kurz gesagt: mehr Fans, bessere Preise.

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In Wien veranstaltet Ihr meist im Planet Music, hin und wieder auch woanders. Wo liegen da die Überlegungen, welches Konzert man wo durchführt?

Mit dem Planet verbindet uns eine langjährige gute Zusammenarbeit und Freundschaft. Wenn wir mal eine andere Venue in Wien buchen, dann hat das entweder terminliche Gründe oder aber es hängt mit der Agentur bzw. der Band zusammen. Sepultura und In Flames etwa, zu groß für's Planet, da hatten wir in der Arena full house.

Das Planet wird aber ohnedies größer, steht doch der Umzug in die Gasometer bevor. Deine Meinung dazu?

Natürlich ist die Frage, ob und wie man die Atmosphäre, die "Wärme" eines Clubs wie eben des Planet Music dort hinbekommt, berechtigt. Auch kleinere, eben Aufbau-Themen werden dann vielleicht nicht so einfach zu veranstalten zu sein bei einer kleinsten Variante von 500 Besuchern. Aber wir werden sehen. Es ist auch noch sehr vieles offen; eigentlich noch zu früh, um darüber zu sprechen.

Nicht zu früh ist es, um erst mal den "Metalchamp"-Contest anzusprechen. Erzähl mal ein wenig darüber, und wie kam es eigentlich dazu?

Die Idee hatte ich, als ich beim ABC Jury machte und den Eindruck bekam, dass viele andere Juroren mit den Metal-Bands dabei nicht das meiste anfangen konnten. Das wurde mir auch von mehren Bands bestätigt, die sich als Metal-Act beim ABC oder ähnlichen Contests nicht mehr ganz wohl bzw. nicht "verstanden" fühlten. Deswegen ist auch ihr Anteil bei solchen Bewerben gesunken. Und darum eben ein eigener Contest "nur" für Metal-Bands. Durch unsere Partnerschaften im In- und Ausland wurde rasch eine internationale Angelegenheit daraus. Mit Vorrunden in insgesamt 7 Ländern: Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Schweiz, Italien. Mit Semi-Finale im Planet Music und Finale am Metal-Camp 2007. Darum auch der Name "Metal-Champ" (und jetzt raten wir alle mal, wer die Idee dazu hatte... Anm. d. V.). Ein mir wichtiges Anliegen dabei ist, dass der Sieger alles bekommt. Wir machen kein Gießkannen-System und schütten die Preise unter allen Finalbands etwa gleich aus, sondern es soll klipp und klar aus der Band, die hier gewinnt, "etwas werden". Natürlich kann es uns auch passieren, dass das nicht funktioniert, aber der Plan ist, hier aus einem Talent einen international angesagten Act zu machen. Deswegen gibt es als Preis für den einen Sieger Auftritte beim Metalcamp 2008, beim Donauinselfest 2008, beim ungarischen Sziget Festival 2007, beim Eartshaker 08 in Deutschland, bei den Z7 Metal Days in der Schweiz und das ist erst der heutige Stand der Dinge, da kommt wohl noch einiges dazu! Mehr dazu auf www.metalchamp.com, die Seite soll ab 15. Dezember online gehen! Und der große Startschuss findet in Form einer Eröffnungs-Party am 13. Jänner im Planet Music statt, mit niemanden Geringeren als Heaven Shall Burn und weiteren internationalen Bands als Gästen.

"Metal In Wien". Schlusswort?

Die Ignoranz der heimischen Medien ist katastrophal. In der Form einzigartig in Europa. Egal, ob Print oder Radio. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Aber eine Farce, mit welchen Vorurteilen zum Teil manche Medien noch immer Berichte über Metal-Bands und -Konzerte ablehnen. Und wie sie alle den neuesten Trends hinterher hecheln und diese wiederkauen. Und sich keiner was traut.

www.rockthenation.eu
www.metalcamp.com
www.metalchamp.com (online ab 15.12.)

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© 2006, Andi Appel web by DanielJM