"METAL IN WIEN"  

Alex Wank
Pungent Stench

Besoffen in der Sonntagskrone

Diesen Mann der heimischen Metal-Gemeinde vorzustellen, hieße Bälle ins Rapid-Tor befördern (sprich: ist nicht extra notwendig). Als Schlagzeuger der Death Metaller Pungent Stench, Veranstalter vieler Gigs oder Verkäufer im ehemaligen "Why Not" bzw. nun im eigenen "Totem" ist er jedem Heavy-Fan ein Begriff. Wir unterhielten uns am 14. 11. beim "Masters Of Death" im Planet Music.

Alex, seit wann bist Du in der Wiener Szene aktiv?

Als Fan seit 1978, 1979. Hab mir damals die ganzen, allerdings sehr wenigen, Gigs angesehen. Hauptsächlich österreichische Bands, ein paar internationale, damals ist ja noch nichts zu uns gekommen. Als Musiker ging's 1986 los. Wir waren lauter totale Anfänger und wollten halt etwas extremes machen, sollte eine Mischung aus ganz frühen Death, Voidod, Venom werden. Damals war Speed und Thrash ganz groß, Death Metal gerade mal im frühesten Stadium. Wir haben da viel Geholper und Gehumper fabriziert, Demos aufgenommen, usw. Aus dem ganzen heraus hat sich dann 2 Jahre später Pungent Stench entwickelt und bereits in deren ersten Monat sind 10 Nummern entstanden, die es dann später auch auf Tonträger gab. Wir waren da sehr rasch unterwegs, hatten - hauptsächlich Schüler und so - auch einen anderen Lebensstil als heute; es gab für uns nichts außer Musik und so haben wir fast ständig herumgelärmt irgendwo.

In welchen Locations?

Mit Carnage, so der Name der ersten Band, haben wir z. B. in der Mensa der Wirtschaftsuni (!) gespielt, den Gig hat der Rocktiger damals veranstaltet. Es folgte u.a. ein Support-Slot für die Broken Bones in der Arena. Nur sind die Broken Bones nicht gekommen. Also haben wir alleine gespielt, aufgebaut war sowieso schon. Eine sehr schräge Zeit damals (lacht). Sogar damals haben wir bereits im Ausland gespielt, Austausch-Gigs mit befreundeten deutschen Gruppen etwa. Aber grundsätzlich gab es noch nicht so viele Möglichkeiten, wir haben auch nicht oft live gespielt am Anfang.

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Wie seid Ihr als - vor allem für die damaligen Verhältnisse - extreme - Band da auf- bzw. an-genommen worden?

Wir waren eigentlich mehr in der Punk-Szene verwurzelt, haben auch selbst viel Punk gehört damals. Beim "normalen" Metal- bzw. Hardrock-Publikum waren wir richtiggehend verpönt. Viele "erwachsene" Fans und Bands haben uns schlicht und einfach auch nicht ernst genommen. So habe ich mir den ersten Pungent Stench-Gig in Wien - nachdem wir schon in anderen Bundesländern und sogar im Ausland, etwa in Polen, gespielt haben- selber gecheckt, und zwar gleich als Vorgruppe von Extreme Noise Terror in der Arena.

Ihr ward im Punkbereich unterwegs, habt Euer Pungent-Debüt in der Arena gegeben, habt heute noch Euren Proberaum dort...

Ja, aber den hatten wir damals noch gar nicht dort. Überhaupt hatte zu der Zeit komischerweise die Arena gar nichts mit Punk zu tun, das kam dort erst später. Als wir unsere ersten Konzerte dort hatten, waren die Arena-Betreiber eher so aus der Hippie-Ecke, sehr alternativ und so. Die wussten natürlich mit uns nicht viel anzufangen. Mein Ziel war einfach, internationale Bands, die nie nach Österreich kommen, hier her zu holen. Und da lag halt die Arena als Location am nahesten irgendwie...

Du hast dann tatsächlich sehr viele Bands aus dem Extrem-Metal-Bereich nach Wien gebracht, wie sah es da am Anfang mit dem Publikums-Zuspruch aus?

Naja, "Extrem"-Metal war ja damals, von der Szene her, sehr mit Hardcore verbandelt. Von daher hab ich da eigentlich viel mehr Core als Metal-Sachen gemacht bzw. waren die extremen Sachen halt bei den HC-Packages dabei. "Richtiges Metal-Publikum" gab es da ja noch gar keines. Aber die Hardcore-Konzerte warten gut besucht. Ganz anders dann 2, 3 Jahre später, als das mit dem (Death) Metal so richtig losging...

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Und daher auch mit Pungent Stench. Wie lief das so ab für Euch? Es wurde ja alles größer, professioneller,...

Wir haben einfach extrem viel live gespielt. Auch Sachen wie mit Prong im U4. Der Werner Geyer von der damaligen Musicbox ("FM 4 Vorläufer-Sendung" nachmittags auf Ö3, Anm. d. V.) ist immer sehr auf neue, extreme Musik abgefahren, und der hat uns dann in seiner Sendung, aber auch in punkto Auftrittsmöglichkeiten, usw. sehr gepusht, der hat uns eben auch ins U4 gebracht. Dann hat mich der Wolfgang Klinger (großer österr. Veranstalter, Anm. d. V.) angerufen, der wollte unbedingt die damals gerade groß werdenden Napalm Death für sein "Big Beat"-Festival buchen und wusste, dass ich die Jungs gut kenne... natürlich haben wir dann auch auf dem Festival gespielt. So ging das los. Eines ergab das andere, ständig traten Leute an uns heran... war halt eine andere Zeit. Wir haben uns viel aufgebaut, vor allem auch im Ausland, Tape-Trading, dann die erste Split-LP... und dann eben der erste Longplayer. Selbst damals gab es noch verhältnismäßig wenig Publikum für Death Metal, gerade hier in Wien. Ich hab da wie gesagt Kaliber aus der Ecke veranstaltet, da kamen sehr wenige Leute. Zwei Jahre später sind sie mir bei den selben Acts die Hütte eingerannt. Und plötzlich war ein jeder Death Metal Fan, war schon immer auf allen Konzerten, hat eh schon immer alles gewusst.

Das einst so geächtete Todesblei wurde also salonfähig. Wovon aber auch Pungent sehr profitiert haben.

Und wie! Wir sind da mit hineingerutscht, ganz groß war das Ding 1991 und 1992, da waren wir ja schon längst in der eigentlichen "Szene" etabliert. Aber plötzlich ging es eben überall los, auch in Österreich kamen viele Leute zu den Konzerten, auch die hiesigen Medien sprangen, wie immer, mal kurz auf den Zug auf.

Konnten Pungent Stench eigentlich damals rein von ihrer Musik leben?

Mehr schlecht als recht. Wir haben schon immer nebenbei was gearbeitet auch. Eine Zeit lang wäre es vielleicht nicht notwendig gewesen. Unsere zweite LP "Been Caught Buttering" verkaufte sich im sechsstelligen Bereich. Gab halt noch kein Internet und keine CD-Brenner.

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Dazu später mehr. Fakt ist, dass Ihr - sowohl beim Tonträger-Verkauf als auch durch gut besuchte Konzerte und Festivals auf der ganzen Welt - zu den erfolgreichsten österreichischen Musik-Gruppen überhaupt zählt. Was die breite Masse aber in keiner Weise wahr nimmt. Stört einen das, dass ständig irgendwelche (Austro)Popper oder halbwegs anerkannte Acts aus anderen (Elektro, DJs, Alternative,..) Bereichen als österreichische "Export-Schlager" angeführt werden, während Ihr "verschwiegen" werdet. Beschäftigt einem so was hin und wieder? Wünscht man sich hierzulande mehr Akzeptanz, vor allem auch in den Medien?

Ist mir eigentlich egal. Mir geht es darum, machen zu können, was ich machen will. Mit meiner Band aufzutreten, wo ich auftreten will. Dann habe ich schon das erreicht, was mir wichtig ist. Da muss ich nicht unbedingt in einer österreichischen Zeitung drinstehen dazu. Du kannst uns auch nicht vergleichen mit einer Stürmer oder einem Falco. Das ist halt Kommerz und als solcher einsetzbar. Wäre doch Utopie, Bands wie uns im Radio hören zu wollen. Oder in der Sonntagskrone zu lesen, dass wir da und dort besoffen umgefallen sind. Interessiert auch keinen. Wir sind doch keine Stars. Wenn mir so was wichtig wäre, müsste ich andere Musik - oder sonst was - machen.

Da ist es wichtiger, in der Death Metal Szene, da dafür weltweit, etabliert zu sein.

Natürlich. Unsere Platten gibt es wirklich weltweit zu kaufen, seit vielen Jahren. Death Metal war mal klein, wurde sehr viel größer, dann waren wieder schlechtere Zeiten, zuletzt ging's wieder aufwärts. Aber es ist immer irgendwas geblieben, es kamen sogar im Lauf der Jahre auch ständig neue Länder, neue Märkte hinzu, wo halt früher das noch nicht so bekannt oder erlaubt war. Dadurch, dass wir sehr zeitig dabei waren, haben wir sehr viel aufbauen können, Kontakte knüpfen, Tape-Trading, usw. Und jetzt kennt man uns halt. Überall. Nicht alle Fans haben Platten von uns, aber wenn wir mal nach Korea oder Russland oder Neuseeland oder wohin auch immer kommen, die Leute dort kennen unseren Namen und gehen deshalb auf das Konzert!

Zurück nach Wien. Gibt es - seien es Geschäfte, Lokale, Medien,... - hier eigentlich noch irgendwelche der wichtigen Punkte, die es zu Deinen Anfangszeiten schon gab? "Konstanten" in der Wiener Metal-Szene, sozusagen?

Hat es eigentlich nie lang gegeben. Am längsten existiert hat, glaub ich, das "Why Not". Es gab weltweit solche Geschäfte in den großen Städten und alle waren sie sehr wichtig für die jeweilige lokale Szene. Dort hast du, wie eben bei uns im Why Not, Sachen kennen gelernt, in neue Platten und Bands reingeschnuppert, hast Leute getroffen, neue Kontakte geknüpft, usw. Ich hab ja gearbeitet dort; da sind Veranstalter reingekommen und haben sich nach der und der Truppe erkundigt, die Fans haben sich gegenseitig beraten wegen den neuen Scheiben, alles war auch viel offener als heute.

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Aus und vorbei?

In der Form auf alle Fälle. Zuerst waren da die großen Ketten, die - nicht nur in Wien, sondern eben überall - eine funktionierende Indie-Läden-Szene vernichtet haben, dann eben CD-Brennen, Downloads, usw. Ist auch eine Frage der Kultur, ein Zeichen der jeweiligen Zeit... dass es so Sachen wie das Why Not nicht mehr gibt.

Neben einer Vielzahl an Platten, CDs oder Shirts gab es dort auch immer eine Riesen-Auswahl an Musik-Zeitschriften, Fanzines,... Stichwort Medien: Welche waren/sind für Pungent Stench wichtig, auf lokaler Ebene?

Am Anfang war gar nichts. Dann, wie Metal ein wenig größer wurde, gab es endlich auch hier ein paar bemühte Leute, die Heavy-Zeitungen auf einem halbwegs professionellem Niveau führen wollten... waren aber alle schon zu spät dran, in Wahrheit, und zum Teil auch nicht konsequent genug. Ich hab übrigens in den Achtzigern selbst ein Magazin herausgegeben, nannte sich "Sick Of" und brachte es auf 5 oder 6 Ausgaben. Schwerpunkt Underground. Was es noch nicht mal auf Vinyl gab. Da waren Kaliber wie Napalm Death, Master, Repulsion drinnen, lange bevor sie einen Deal hatten. Da gab es z.b. Earache noch gar nicht. Ein "Do It Yourself!"-Heftl, auch mit viel Punk und Hardcore. Ich hatte den Rollins drin, der damals im U4 spielte... Hätte man halt vehementer weiterführen müssen, das Ding, aber ich hatte damals schon keine Zeit dazu. Wie gesagt, es gab dann noch andere Versuche, zum Teil ganz gute, überlebt hat aber nichts. Wichtig war und ist das Rock Hard (großes deutsches Magazin, das auch in Österreich verkauft und gelesen wird, Anm. d. V.). Spielte halt - meiner Wahrnehmung nach - damals noch eine ganz andere Rolle als heute, da hast du dich als Fan wirklich danach richten können.

Aber neue, vor allem eben österreichische, Metal-Medien verfolgst Du nicht? Sei es gedruckt oder online oder...

Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich kenne das alles nicht, hab keine Zeit dafür. Außerdem weiß ich ohnedies, welche Musik mir gefällt und welche nicht. Und durch mein Geschäft "Totem" bekomme ich auch laufend mit, was an Neuheiten erscheint und wenn es mich interessiert, höre ich einfach rein. Ich lese also kaum mehr Metal-Magazine, schon gar nicht im Internet. Ich bekomme zwar von Kunden und Fans mit, dass die das zum Teil gerne tun. Finde ich auch gut, dass sie sich informieren, aber ich blättere maximal hin und wieder im Rock Hard herum. Ich lese auch keine Tageszeitungen oder so. Da lese ich lieber ein gutes Buch.

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Vom Buch auf die Bühne. Wenn Ihr heutzutage live in Wien spielt, kommen da vor allem noch die Freaks und Freunde von früher oder eher jüngere Fans?

Wir haben ein sehr gemischtes Publikum. Es kommen schon, gerade in Wien natürlich, viele ältere. Merke ich ja auch vor oder nach Gigs. Das und das Gesicht kenne ich, zum Teil schon ewig, der spricht mich auf das Konzert von 1991 an und der war damals dort und da... das freut einen auch. Klar kommen auch jüngere. Ein Grund auch, warum wir diese gemeinsame Konzert-Serie mit Eisregen gestartet haben. Die ziehen viele ganz junge Fans, die dann wiederum auch uns sehen. Und eines will ich schon auch sagen: Klar war früher vieles anderes, das Publikum nicht so übersättigt, etc. Aber es gibt auch gott sei dank noch viele junge Fans. Viele "gute" Fans nämlich , idealistische, die auf Konzerte gehen oder selbst etwas auf die Beine stellen. Die hat es schon immer gegeben, wird es immer gegeben. Das ist eine der guten Sachen am Metal. Loyalität, Respekt, Treue. Andere Musikarten haben da viel höhere Einbussen.

Unterschiede beim Metal-Publikum in Wien und den Bundesländern?

Sicher, je "karger" die Live-Situation, desto begeisterungsfähiger des Publikum. Wenn du wo spielst, wo einmal im Jahr ein Konzert stattfindet, hast du oft eine bessere Stimmung als in einer Gegend, wo du dauernd auf Shows gehen kannst. Deswegen versuchen wir auch, uns in Wien live eher rar zu machen, ein Gig pro Jahr oder so. Wobei, Stichwort: "Wiener Publikum". Vieles davon ist ja eigentlich gar nicht direkt von hier. Wenn wir in Wien spielen, da kommen zahlreiche Leute aus Niederösterreich, dem Burgenland, Oberösterreich, der Steiermark,... oder viele "Zuagraste" (Leute, die jetzt in Wien wohnen, aber nicht hier geboren wurden, Anm. d V.). Und weißt Du, wie ich auf das Thema gekommen bin? Weil ich mir irgendwann einmal bei einem Gig in Wien gedacht habe: "Hearst, der redt so, die redt so, bei dem klingt dieser Dialekt durch, bei dem jener.." dann hab ich halt die Leute gefragt, wo sie herkommen. Täte mich echt einmal interessieren, wie viele "wirkliche Wiener" Metal-Fans es gibt...

Mit ein Grund, warum es kein eigenes Metal-Festival in Wien gibt?

Ich glaube, dass Festivals in Großstädten nicht funktionieren. Auch in Deutschland sind alle wichtigen, großen Metal-Festivals am Land. Wacken, Bang Your Head,... du brauchst ja in Wahrheit die "ländliche" Struktur dazu, Camping, Wiesen, usw. Die ganze Atmosphäre.. Und, ja, wie gesagt, "Wiener" Fans hat man scheinbar eh nicht viele. Im übrigen ist es irrsinnig schwierig, heutzutage noch ein ordentliches Line Up zu organisieren. Das nicht zeitgleich woanders spielt. Das eigentliche Problem vielleicht: dass mittlerweile - und die Fans fahren ja weit herum für Festivals - jedes Wochenende wo ein großes Festival mit entsprechendem Einzugs-Gebiet stattfindet. Wann und wie und wo willst du da selber eines machen?

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Hätte man quasi auch schon früher dabei sein müssen, um sich etwas aufbauen zu können? Wie etwa Kaltenbach?

Beispiel, ja. Die sind für ihren Bereich etabliert, kann man sagen. Werden sich aber natürlich auch schwer tun in Zukunft. Weil die Leute, die schon dort waren, immer gewisse Erwartungen für das nächste Jahr haben. Und die hatten schon gute und große Namen in Kaltenbach; das zu toppen wird nicht einfach. Ist auch ein großes finanzielles Risiko dann schon dahinter.

Zurück zu den Metal-Fans an sich. Trotz aller Raunzereien und hin und her eigentlich eh das dankbarste, wie du schon sagtest treueste und in Wirklichkeit auch friedlichste Publikum?

Absolut. Ich habe schon sehr viele Metal-Gigs veranstaltet und kann mich an keinen einzigen Zwischenfall erinnern.

Nothing more to say. Deswegen wieder zu Pungent Stench. Ihr ward zur richtigen Zeit am richtigen Ort; eine der ersten wirklich ganz extremen Metal-Bands und dann - berechtigt - auf diesem sehr erfolgreichen Death Metal-Zug mitgefahren. Heute sind so ziemlich alle Extreme ausgelotet. Ernsthaft provozieren kannst du schon lange keinen mehr. Würden Stench heute als junge Band beginnen, mit dem selben Können wie damals, mit dem selben "Image" oder "Schmäh": Hätten sie Deiner ehrlichen Meinung nach den selben Erfolg?

Auf keinen Fall. Wir wären eine Würstel-Band wie hunderttausend andere auf der Welt. Mit einem Demo, aber keinen Plattenvertrag. Keine Chance.

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Die Gnade der frühen Geburt? Wie auch immer, PS gelten als größte, wichtigste und einflussreichste Metal-Band des Landes, was mir auch im Zuge meiner Arbeit an diesem Wahnsinn hier immer wieder von verschiedensten Leuten bestätigt wurde.

Ah so? Mir sagt das keiner. Hm. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die eine oder andere junge Band hierzulande auf uns beruft... aber ich bekomme das alles nicht mit. Wie auch, ich bekomme ja die Bands selbst nicht mit...

Also keinerlei Empfehlungen in Sachen gute junge Metal-Bands aus Österreich?

Nein, was wirklich außergewöhnliches ist mir noch nicht untergekommen. Wobei, bitte, ich bin da kein Maßstab. Wenn es, sagen wir, 1.000 österreichische Metal-Bands gibt, kenne ich vielleicht 10 davon.

Und Thema "Frauen im Metal"?

Besser als früher. Beim Death Metal waren damals überhaupt keine. Oder, sagen wir, bei einem Konzert mit 400 Fans vielleicht 10 Frauen. Und die hast du nicht als solche erkannt (lacht). Hat vielleicht schon damit zu tun jetzt, dass das ganze Death-Zeug größer und breiter wurde, dadurch wuchs auch der Anteil an weiblichen Interessenten. Man sieht bei unseren Konzerten schon viele Mädels. Allerdings sind die meisten Musiker, oder Crews on tour, meist Männer. Manchmal hast du eine Tourbegleiterin, manchmal eine Merchandiserin, und vor kurzem haben wir mit einer österreichischen Metal-Band namens Firestorm gespielt, die hatten eine Gitarristin. Sieht man wirklich selten. Reine Männer-Domäne, nach wie vor im Metal. Beim Punk und Hardcore kommen dir vielmehr Frauen unter.

Nächste Frage, weil wir dieses Interview ja hier im Planet Music führen, wo Ihr auch mit Pungent Stench in Kürze wieder spielen werdet und wo Du nach wie vor Deine Konzerte veranstaltest. Warum eigentlich, was spricht gegen andere Locations oder...

Das hat schon sehr mit den Menschen zu tun, die in den Venues arbeiten. Ich habe in der Arena viel gemacht, gerade am Anfang, in Summe viel mehr als im Planet. Ging lange gut, dann wieder gar nicht. Gab eine lange Pause, weil ich mit den Vorstellungen der damaligen Arena-Verantwortlichen überhaupt nicht zusammen gekommen bin. Dann kamen andere Leute und ich hab wieder dort veranstaltet... Es gab dann ja bekanntlich eine doch recht lange "anti-metallische" Phase in der Arena, sie wollten mit Metal-Fans und -Konzerten nichts zu tun haben. Einmal so, einmal so. Nun sind wieder ganz andere Leute dort, ich kenn die alle nicht mehr... Planet hingegen war über all die Jahre ein verlässlicher Partner. Da steht mit dem Muff auch wer dahinter, der darauf schaut, dass was weitergeht, der will ja auch - no na - Geld damit verdienen. Da werden gewisse Sachen einfach erledigt, von sich aus in Arbeit genommen, das funktioniert. Kann ich halt von anderen Locations nicht immer behaupten.

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Kommen wir nun auf Dein "Totem" zu sprechen. Seit wann gibt es das Geschäft? Wie kam es eigentlich genau dazu?

Das Totem gibt es seit Oktober 1998. Vorher war ich ja im Why Not tätig und hatte dort schon den Gedanken, vielleicht mal was eigenes aufzusperren. Aber keine Konkurrenz natürlich, sondern ich wollte etwas anbieten, was es dort nicht gibt und wo ich aber wusste, es gäbe Kunden dafür. Hat sich zunächst nicht ergeben. Aber als das Why Not '97 zusperrte, wurde die Idee natürlich konkreter.

Und das Programm/Angebot war auch von Anfang an definiert?

Ja. Metal, Dark Ambient, Neofolk, Industrial, solche Sachen. Früher vielleicht noch EBM, gibt's aber auch nicht mehr wirklich. Und Gothic sowieso keinen bitte. Da gibt es innerhalb dieser Nischen auch wieder so viele Schubladen... da sind die Leute auch heikel. Das ist wie beim Metal. Für Außenstehende ist vielleicht auch Bon Jovi Metal und Slayer Metal, aber... (sag das mal einem Slayer-Fan, Anm. d. V.) . Ich habe schon im Why Not versucht, von dieser Musik bestimmte Labels für uns zu gewinnen, deren Programm hier aufzubauen, ist mir auch zum Teil gelungen. Und das führe ich mit dem Totem konsequent weiter. Ich war da halt auch privat sehr interessiert an gewissen Bands, Labels, Projekten,... so ist das alles entstanden und hat sich weiterentwickelt. Wobei den Hauptanteil des Angebots aber schon klar der Metal darstellt. Und es gibt ja auch Leute, die beides hören.

8 Jahre sind eine lange Zeit. Was ist anders heute als beim Aufsperren?

Es ist mühsamer geworden. Ich habe vieles aufbauen können, neue Produktpaletten dazu bekommen, gewisse Sachen hierzulande etabliert. Aber nun stagniert es. Es geht mir gut dabei, keine Sorge, aber es könnte wieder etwas anziehen. Ich glaube schon, dass mir dieses ganze Brennen, Downloaden, usw. viel wegnimmt. Und ich spüre auch, dass die Leute keine Kohle bzw. nicht mehr so viel davon haben. Kurz gesagt: mehr Möglichkeiten als je zuvor, weniger Geld als je zuvor.

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Hauptverkaufsschlager im Totem sind trotzdem CDs, oder...

Ich verkaufe auch viel Vinyl. Biete da auch Gebrauchtes an, geht gut. Und beim neuen Vinyl - im Metalbereich - bin ich sowieso der einzige in ganz Wien, der das hat. Merke ich auch bei den Käufern. Band-Shirts verkaufen ebenfalls ganz brav.

Aber Du bist im Metal schon sehr in der "Nische" (Black/Death/Thrash) drinnen, ganz große Themen sucht man im Totem wohl vergebens?

Naja, die neue Iron Maiden-CD brauche ich nicht nehmen, die kauft bei mir keiner, die stapeln sich bei den Großmärkten zum Superpreis. Ich habe sie dafür aber auf Vinyl. Und andere nicht.

Was irgendwie erstaunt: Du kannst, abgesehen von erwähnten Megasellern oder irgendwelchen Angeboten der Großmärkte, absolut mit deren Preisen mithalten.

Ich bin sogar in den meisten Fällen billiger. Weil ich direkt in Deutschland oder anderen EU-Ländern einkaufe, entweder beim Label direkt oder bei zwei, drei guten Großhändlern.

Der Flo vom Saturn, mit dem ich ja auch gesprochen habe (siehe Interview) kauft von neuen Alben, die auch als Digi-Pack angeboten werden, oft nur mehr dieses und verzichtet auf die "normale" CD bzw. kauft sie erst nach, wenn die limitierten Geschichten aus sind. Wie ist das bei Dir?

Bei einem Album, von dem ich 10 Stück am Anfang brauche, bestelle ich 8 Digi-Packs und 2 normale. Weil es bei mir schon noch Leute gibt, die wollen einfach die Musik haben und können auf den ganzen Schnickschnack verzichten. Außerdem, da hat der Kollege recht, sind die limitierten CDs eh bald weg und dann verkaufen wir beide die "normalen" CDs.

Bekommst Du mit, was die Großmärkte wie anbieten, recherchierst Du da oder spielt das eh keine Rolle für Dich?

Ich bekomme es durch die Leute mit. Wenn einer sagt, er war da und da und hat diese und jene CD wieder mal nicht gefunden. Oder aber es gibt das neue Album von dieser Band und bei mir geht es nicht so gut, und dann erzählt mir wer, es steht dort zu einem Preis, wo ich nicht mitkann. Aber extra hingehen, nachschauen oder so tu ich sicher nicht. Ich kann auch so gut leben.

Zukunftspläne für das Totem?

Unsere Homepage wird endlich auf Vordermann gebracht, dann werden wir - auch weil wir viele Käufer aus den Bundesländern haben - endlich einen ordentlichen Mailorder-Service anbieten können, der sicher stark angenommen wird.

Metal In Wien. Schlusswort?

Auf der einen Seite gibt es leider viel Neid und Missgunst unter den jungen Bands. Völlig unnötig, zumal da ja in Wahrheit keiner irgendwas außergewöhliches erreicht hat. Auf der andere Seite aber sehe ich schon auch sehr viel Idealismus, viele junge Musiker und Fans, die selbst etwas tun, viel Engagement beweisen. So soll es sein.

www.pungentstench.net
www.totem-records.com

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